Vom Container zu Weltruf

1996 wurde das Unternehmen von Herrn Prof. Dr. Dr. Kollmeier, Professor an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg, und dem Evangelischen Krankenhaus Oldenburg gegründet. Heute gilt es als Beispiel erfolgreichen Technologietransfers zwischen universitärer Forschung und Industrie. Zum internationalen Kundenstamm zählen namhafte Branchen-Vertreter wie Siemens Audiologische Technik, GN ReSound, Phonak, AudioService, Sennheiser und Kind Hörgeräte.

Zum Arbeitsbeginn mietete das Hörzentrum für die damals 4 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Büro-Container auf dem Campus der Universität an. 220 Besucher erlebten dann am 12. Juni im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung im Großen Hörsaal der Universität Oldenburg den offiziellen Start. Mit nicht weniger und nicht mehr als der kooperativen Unterstützung der Arbeitsgruppe Medizinische Physik der Universität realisierte das Hörzentrum im ersten Jahr 11 Projekte. Diese kamen wesentlich aus dem Bereich Hörgeräte-Feldtests bzw. allgemeine Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Es wurden Prototypen der Industrie mit Schwerhörigen unter kontrollierten, aber auch realistischen Rahmenbedingungen umfassend getestet. So erhielt die Industrie wertvolle Informationen aus unabhängiger Hand über Leistungen und fehlende Leistungen ihrer neuen Hörgeräte. Die Informationen waren stets exklusiv für den Auftraggeber, wurden aber auf Wunsch auch verschiedentlich veröffentlicht, so dass sich eine inoffizielle Marke zu entwickeln begann: „tested by Hörzentrum Oldenburg“.

Im zweiten Jahr eröffnete das Hörzentrum den Arbeitsbereich „Patientenversorgung“ (heute „Medizinische und audiologische Versorgung“) mit den beiden Dienstleistungen „Audiologische Sprechstunde“ und „Hörgeräteberatung“ in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Krankenhaus Oldenburg. Schnell wuchs die Anzahl der schwerhörigen Patienten, die die Hördiagnostik in modernster Form, ausgeführt von einem interdisziplinären Team aus den Bereichen HNO-Medizin bzw. Phoniatrie/Pädaudiologie, Hörgeräteakustik und Audiologie in Anspruch nahm. Trotz großer und wiederholter Bemühungen von Krankenkassen einerseits und dem Hörzentrum andererseits konnte eine Finanzierung der Leistungen des Hörzentrums durch die gesetzlichen Krankenkassen aber nicht erreicht werden. Die Patienten waren jedoch zur privaten Kostenübernahme für die angebotene Leistung bereit, und so musste die Sprechstunde bereits 1999 aus Platzgründen in eigens hierfür angemietete und hergerichtete Räumlichkeiten am Evangelischen Krankenhaus verlagert werden.

Im Jahr 1999 nahm dann das Hörzentrum die Aktivitäten auch im dritten Leistungsbereich auf: „Fort- und Weiterbildung“. Es wurde eine beträchtliche Anzahl von jeweils zweitägigen Seminaren angeboten, deren Themen von “Digitale Hörgeräte“ bis hin zu „Moderne audiologische Messverfahren“ die gesamte Palette audiologischer Themen umfasste.

Während der gesamten Zeit wuchs das Hörzentrum langsam aber stetig, und so konnten 1999/2000 die beiden bisher größten Projekt in Angriff genommen werden: Die Beantragung des Kompetenzzentrums HörTech zusammen mit der Universität Oldenburg im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgeschriebenen Wettbewerbs, sowie der Bau eines eigenen Gebäudes. Der HörTech-Antrag war erfolgreich und ging als einer von 8 bundesweiten Gewinnern Mitte 2000 aus dem Wettbewerb hervor. Spätestens jetzt erforderte die Raumnot durch die hinzukommenden Arbeitsplätze schnelles Handeln. Bereits für das Hörzentrum allein war der im Container quantitativ und qualitativ eingeschränkte Raum ein Mangel, der überwunden werden musste. Da sich im Laufe der Jahre die gesamte Hörforschung in Oldenburg wesentlich gewandelt hatte, war es nunmehr auch sinnvoll alle kooperierenden Institutionen in einem Gebäude zusammenzuführen. So brachten das Hörzentrum einerseits sowie die Landesregierung Niedersachsen aus Mitteln des Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums andererseits jeweils rund die Hälfte der notwendigen Baumittel von ca. 2,2 Mio. Euro ein. Nach der Grundsteinlegung am 10. August 2001 konnte am 20. September 2002 die offizielle Einweihung in der Marie-Curie-Straße 2 gefeiert werden.

Heute arbeiten im Hörzentrum insgesamt 15 Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen Physik, Audiologie, Hörgeräteakustik, HNO-Medizin und Informatik. Gemeinsam evaluieren und optimieren sie Hörgeräte-Technik im Auftrag der Industrie oder analysieren und beurteilen Marketingkampagnen in der Hörbranche. Die Auftraggeber kommen mittlerweile neben Deutschland auch aus Skandinavien, der Schweiz und den USA. Ferner werden in Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg audiologische Testverfahren wie z.B. „Oldenburger Satztest“ (olsa) und der „Oldenburger Kinder-Reimtest“ (olki) entwickelt. Die Entwicklung der Testverfahren erfolgt seit August 2002 im Auftrage des Kompetenzzentrums HörTech.

Ein Aufgabenschwerpunkt ist und bleibt die Arbeit mit den Patienten, denen in regelmäßigen Sprechstunden kompetente Beratung und Diagnostik auf technologisch neuestem Stand geboten wird. Die Fort- und Weiterbildungen für Mediziner/innen, Hörgeräteakustiker/innen, Audiologen und Hersteller findet seit 2003 in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum HörTech statt. Als Initiator und Bauherr des „Haus des Hörens“, das alle Institutionen der Oldenburger Hörforschung unter einem Dach vereint, koordiniert das Hörzentrum die wichtigsten Aktivitäten am Standort. Mit dem „Haus des Hörens“ wurde eine Vision Wirklichkeit: Ein europäisches Zentrum der Hörforschung, das Grundlagenforschung mit der Entwicklung und Anpassung von Hörgeräten verbindet, ein Zentrum des gemeinsamen Wirkens aller beteiligten Parteien – zum Wohle der hörgeschädigten Menschen.

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