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Bild von der Skala zur Messung der Höanstrengung

In den meisten Situationen, in denen Personen zwar weitgehend alles verstehen, jedoch von einer  erhöhten Höranstrengung sprechen, ist die Sprachlautstärke höher als die Lautstärke der Umgebungsgeräusche. Obwohl eine hohe individuelle Sprachverständlichkeit erreicht werden kann, berichten vor allem hörgeschädigte Personen, dass es einer hohen Anstrengung bedarf diese Sprachverständlichkeit zu erzielen. Aber wie kann diese subjektiv empfundene sogenannte Höranstrengung individuell gemessen werden?


Im Hörzentrum Oldenburg wurden nun eine neue Skalierungsmethode – „ACALES: Adaptive CAtegorical Listening Effort Scaling – für Labormessungen entwickelt.
ACALES ist ein Messverfahren, in dem, die subjektiv wahrgenommene Höranstrengung mittels einer Skala (Abbildung 1) bewertet wird. Die 14-stufige Skala beinhaltet acht beschriftete Kategorien (von „mühelos“ bis „extrem anstrengend“ und „nur Störgeräusch“) und sechs Zwischenkategorien.

Download "Wissenschaftliches Infoblatt ACALES"

Durchführung ACALES

Dem Hörer werden während der Messung hintereinander drei Sätze des Oldenburger Satztests in einem Hintergrundgeräusch dargeboten. Als Sprachmaterial werden Sätze der Form Name – Verb – Zahlwort – Adjektiv – Substantiv (Bsp.: Peter kauft sieben rote Messer) verwendet. Die Abfolge der Wörter ist dabei eine zufällige Kombination aus einem Inventar von insgesamt 50 Wörtern.

Alltagsnah bleibt der Pegel des Hintergrundgeräusches während der Messung konstant und der Pegel der Sprache ändert sich adaptiv, basierend auf der vorherigen Bewertung. Dabei werden durch Variation des Verhältnisses von Sprachlautstärke zu Lautstärke der Umgebungsgeräusche – dem sogenannten Signal-Rausch-Abstand (SNR) – verschiedene Hörsituationen erzeugt.

Bei vorhergehenden Verfahren mussten die zu testenden SNR-Werte im Vorfeld ausgewählt werden, die anschließend im Optimalfall die ganze Höranstrengungsspanne von „mühelos“ bis „extrem anstrengend“ abdecken. Diese Vortests sind bei ACALES nicht notwendig. Als adaptives Messverfahren bestimmt ACALES die individuell zu testenden SNR-Werte während der Messung optimal.

Dadurch können neben Unterschieden in der wahrgenommenen Höranstrengung verschiedener Personen auch Veränderungen durch eine Hörgeräteversorgung und der Einfluss einer Feinanpassung individuell bestimmt und dem Hörgerätenutzer auch demonstriert werden.

Während der Messung wird der Sprachpegel adaptiv und basierend auf der vorherigen Bewertung der Höranstrengung verändert, wodurch für jede Versuchsperson ein individueller SNR-Bereich ermittelt werden kann. Die Aufgabe der Versuchspersonen besteht darin zu bewerten, wie anstrengend es war dem Sprecher zu folgen. Für die Labormessungen kann das Sprachmaterial genauso wie das Hintergrundgeräusch frei gewählt und an jede Testsituation angepasst werden. Die adaptive Skalierung der Höranstrengung ist besonders in dem Testbereich sensitiv, in dem mittels Sprachverständlichkeitsmessungen keine Unterschiede in der Sprachverständlichkeit mehr erfasst werden können, d.h. in dem Bereich, in dem zwar alles verstanden werden kann, es aber einer Anstrengung bedarf um alles zu verstehen.

Publikationen

Krueger, M., Schulte, M., Brand, T., & Holube, I. (2017a). Development of an adaptive scaling method for subjective listening effort. The Journal of the Acoustical Society of America, 141(6), 4680-4693.

Krueger, M., Schulte, M., Zokoll, M. A., Wagener, K. C., Meis, M., Brand, T., & Holube, I. (2017b). Relation between listening effort and speech intelligibility in noise. American journal of audiology, 26(3S), 378-392.